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Care Arbeit: Warum sie für Unternehmen entscheidend ist

Pflegende Person begleitet einen älteren Menschen im Rollstuhl und symbolisiert die Bedeutung der Care Arbeit für Gesellschaft und Wirtschaft.

Eine pflegende Person begleitet einen älteren Menschen im Rollstuhl durch eine grüne Landschaft. Das Bild verdeutlicht die Bedeutung unbezahlter Care Arbeit, die täglich von Millionen Menschen geleistet wird und eine unverzichtbare Grundlage für Gesellschaft, Wirtschaft und Unternehmen darstellt.

Ohne Care Arbeit würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Dennoch bleibt diese Arbeit häufig unsichtbar und unbezahlt, obwohl sie jedes Jahr einen Wert in Milliardenhöhe schafft. Care Arbeit umfasst alle Tätigkeiten, mit denen Menschen andere versorgen, begleiten und unterstützen. Dazu gehören unter anderem:

  • Kinderbetreuung
  • Pflege von Angehörigen
  • Hausarbeit
  • emotionale Unterstützung innerhalb der Familie
  • ehrenamtliche Fürsorge

     

Ein großer Teil dieser Arbeit findet außerhalb des Arbeitsmarktes statt und wird nicht bezahlt. Dennoch wäre ohne sie weder Erwerbsarbeit noch wirtschaftliches Wachstum möglich.

Care Arbeit ist für die Wirtschaft unverzichtbar

Die feministische Ökonomik betrachtet Care Arbeit als Grundlage jeder Volkswirtschaft. Menschen können nur arbeiten, wenn sie versorgt werden, gesund bleiben und Kinder betreut werden. Die sogenannte Reproduktionsarbeit sorgt dafür, dass Arbeitskraft überhaupt entsteht und erhalten bleibt.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist Care Arbeit keineswegs eine private Nebensache, sondern eine unverzichtbare Grundlage für Unternehmen, Behörden und die gesamte Gesellschaft. Wie groß ihr tatsächlicher Umfang ist, verdeutlicht die Zeitverwendungserhebung des Statistischen Bundesamtes. Sie zeigt nicht nur, wie viele Stunden täglich für unbezahlte Sorgearbeit aufgewendet werden, sondern auch, dass diese Aufgaben weiterhin ungleich verteilt sind. Frauen leisten durchschnittlich 29,5 Stunden unbezahlte Care Arbeit pro Woche, Männer hingegen 20,5 Stunden. Daraus ergibt sich ein Gender Care Gap von 44,3 Prozent, der die nach wie vor bestehende Ungleichverteilung der Sorgearbeit deutlich macht (Destatis, Zeitverwendungserhebung 2022).

Frühere Berechnungen des Statistischen Bundesamtes zeigen außerdem, dass der rechnerische Wert unbezahlter Arbeit bereits für das Jahr 2013 rund 826 Milliarden Euro betrug. Neuere Studien gehen aufgrund gestiegener Löhne und aktueller Zeitdaten inzwischen von einem deutlich höheren volkswirtschaftlichen Wert aus. Die Größenordnung liegt bei etwa einem Drittel der deutschen Wirtschaftsleistung (Destatis; Prognos Institut).

Diese Zahlen machen deutlich: Ohne unbezahlte Sorgearbeit würde unsere Wirtschaft nicht funktionieren.

Warum übernehmen Frauen noch immer den größten Teil?

Internationale Studien zeigen seit vielen Jahren ein ähnliches Bild. Frauen übernehmen weltweit den überwiegenden Anteil der unbezahlten Sorgearbeit. Ursachen sind unter anderem:

  • traditionelle Rollenbilder
  • geringere Erwerbsarbeitszeiten nach der Geburt von Kindern
  • fehlende Betreuungsangebote
  • Pflege von Angehörigen
  • gesellschaftliche Erwartungen

     

Die Folge sind häufig geringere Einkommen, niedrigere Rentenansprüche und schlechtere Karrierechancen.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Viele Führungskräfte betrachten Care Arbeit ausschließlich als Privatsache ihrer Beschäftigten. Tatsächlich beeinflusst sie jedoch zahlreiche betriebliche Kennzahlen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Fehlzeiten
  • Teilzeitquoten
  • Mitarbeiterbindung
  • Fachkräftesicherung
  • psychische Belastungen
  • Motivation
  • Fluktuation

     

Gerade Beschäftigte, die Kinder betreuen oder Angehörige pflegen, stehen häufig unter erheblichem Zeitdruck. Flexible Arbeitsmodelle können dazu beitragen, ihre Belastung zu verringern und zugleich Zufriedenheit, Leistungsfähigkeit und Bindung an das Unternehmen zu stärken.

Diese Unterstützung wird immer wichtiger, denn der Pflegebedarf in Deutschland steigt durch den demografischen Wandel deutlich an. Gleichzeitig verlassen viele Fachkräfte ihren Pflegeberuf aufgrund hoher körperlicher und psychischer Belastungen. Diese Entwicklung wird häufig als Pflexit bezeichnet.

Die entstehenden Versorgungslücken werden zunehmend von Angehörigen aufgefangen. Viele von ihnen reduzieren ihre Arbeitszeit oder geben ihre Erwerbstätigkeit zeitweise ganz auf. Damit wird die Care Krise auch für Unternehmen unmittelbar spürbar, etwa durch Personalengpässe, höhere Fehlzeiten und den Verlust qualifizierter Mitarbeitender.

Care Arbeit ist auch ein Thema für das Qualitätsmanagement

Auf den ersten Blick scheint Care Arbeit nichts mit dem Qualitätsmanagement zu tun zu haben. Tatsächlich ergeben sich jedoch zahlreiche Berührungspunkte.

Die ISO 9001 fordert unter anderem:

  • Berücksichtigung interessierter Parteien
  • Chancen und Risiken erkennen
  • kompetente und motivierte Mitarbeitende fördern
  • nachhaltige Unternehmensentwicklung

     

Unternehmen, die die Lebensrealität ihrer Beschäftigten berücksichtigen, schaffen häufig stabilere Prozesse, eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit und eine bessere Arbeitgeberattraktivität.

Was können Unternehmen konkret tun?

Bereits kleine Maßnahmen können große Wirkung entfalten:

  • flexible Arbeitszeiten ermöglichen
  • mobiles Arbeiten dort nutzen, wo es sinnvoll ist
  • pflegende Angehörige unterstützen
  • Führungskräfte für Care Verantwortung sensibilisieren
  • familienfreundliche Unternehmenskultur fördern
  • psychische Gesundheit aktiv stärken

     

Diese Maßnahmen zahlen nicht nur auf die Zufriedenheit der Mitarbeitenden ein, sondern verbessern langfristig auch Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit.

Care Arbeit ist kein Randthema, sondern ein zentraler Bestandteil einer funktionierenden Wirtschaft. Millionen Menschen leisten täglich unverzichtbare Arbeit, die häufig unsichtbar bleibt und kaum wirtschaftlich berücksichtigt wird.

Unternehmen, die diese Realität anerkennen und ihre Arbeitsbedingungen entsprechend gestalten, profitieren von motivierteren Mitarbeitenden, geringerer Fluktuation und einer nachhaltigeren Unternehmenskultur. Gleichzeitig leisten sie einen wichtigen Beitrag zu sozialer Verantwortung und moderner Unternehmensführung.

Quellen

  • Destatis (2025). Zeitverwendung in Deutschland – Zeitverwendungserhebung 2022.
  • Destatis (2016). 35 Prozent mehr Zeit für unbezahlte Arbeit als für Erwerbsarbeit.
  • Prognos Institut. Der unsichtbare Wert von Sorgearbeit (2024).
  • Bundesamt für Statistik Schweiz. Monetäre Bewertung der unbezahlten Arbeit.
  • WU Wien. Forschung zur Care Ökonomie und feministischen Ökonomik.

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