Immer mehr Kinder zeigen emotionale Probleme, Verhaltensauffälligkeiten oder wirken im sozialen Miteinander unsicher. Viele Eltern fragen sich: Woran liegt das? Eine Studie der University of Wollongong in Australien liefert alarmierende Erkenntnisse: Die Art, wie Eltern digitale Medien nutzen, hat einen direkten Einfluss auf die Entwicklung ihrer Kinder.
Was die Studie zeigt
Die Studie unter Leitung von Dr. Jocelyn Brewer untersuchte das sogenannte „Technoference“, also die alltäglichen Unterbrechungen von Eltern-Kind-Interaktionen durch digitale Geräte. Dabei zeigte sich ein klarer Zusammenhang:
Kinder, deren Eltern häufig durch Handys abgelenkt waren, zeigten geringere kognitive Leistungen, mehr emotionale Auffälligkeiten, vermehrtes Problemverhalten und weniger soziale Kompetenzen.
Die Forscherinnen und Forscher stellten außerdem fest, dass diese Kinder eine schwächere Bindung zu ihren Eltern entwickelten und selbst mehr Bildschirmzeit konsumierten.
Warum das problematisch ist
Kinder brauchen Resonanz. Sie lernen über Mimik, Stimme und Zuwendung, also über echte Interaktion. Schon kurze, aber häufige Unterbrechungen durch digitale Medien wirken sich negativ auf die Qualität dieser Interaktionen aus.
Studien aus der Bindungsforschung (z. B. das Still-Face-Experiment von Edward Tronick) zeigen, wie sensibel Kinder auf den „plötzlichen emotionalen Rückzug“ der Bezugsperson reagieren und wie sehr sie sich bemühen, wieder Kontakt herzustellen. Wenn dieser Versuch dauerhaft ins Leere läuft, kann das zu innerer Unsicherheit und zu Verhaltensauffälligkeiten führen.
Was du als Elternteil tun kannst
Die gute Nachricht: Es braucht keine Perfektion, sondern Präsenz. Schon kleine Veränderungen haben einen großen Effekt:
- Smartphone freie Zonen schaffen (z. B. beim Essen, Schlafen oder Spielen)
- Bewusstes Vorleben (Kinder übernehmen unser Medienverhalten)
- Kurze, aber intensive Zeiten der Zuwendung täglich einplanen
Smartphone bewusst einsetzen (z. B. für gemeinsame Musik oder Lern-Apps statt zur Ablenkung)
Fazit: Dein Verhalten wirkt, auch wenn du es nicht merkst
Kinder spüren sehr genau, ob sie wirklich gesehen werden. Studien zeigen, dass bereits wenige Minuten voller Aufmerksamkeit pro Tag das Sicherheitsgefühl von Kindern erheblich stärken.
Und: Ein selbstbewusstes, gut gebundenes Kind ist auch im Umgang mit digitalen Medien besser geschützt, weil es nicht auf ständige Reizüberflutung angewiesen ist, um sich reguliert zu fühlen.
📚 Wissenschaftlicher Bezug:
Die genannten Ergebnisse stammen aus der „Growing Up in Australia Study“, einer Langzeitstudie unter Beteiligung der University of Wollongong, veröffentlicht im Fachjournal Journal of Child Psychology and Psychiatry (2022) unter Mitwirkung von Dr. Amanda Williams und Dr. Sharon Horwood.
Weitere Forschung: Tronick, E. Z. et al. (1978). The Still-Face Paradigm. Harvard Medical School.
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